Flo­ri­an Sochat­zy – mBook und die Schu­le der Zukunft

Flo­ri­an Sochat­zy – mBook und die Schu­le der Zukunft

Will­kom­men zurück, heu­te mit einem Heim­spiel: The­ma ist das mBook Geschich­te und die Schu­le der Zukunft.

Flo­ri­an Sochat­zy, der Geschäfts­füh­rer der Cor­nel­sen mBook GmbH, ist maß­geb­lich dar­an betei­ligt, dass das mBook Geschich­te heu­te dort steht, wo es ist. Er zieht im Gespräch Bilanz übers Pro­dukt und auch die deut­sche Bil­dungs­land­schaft.

Wir spre­chen über den Inno­va­ti­ons­wil­len an Schu­len im Wan­del der Zei­ten, war­um Geschichts­un­ter­richt so wich­tig ist und loten die Zukunft des Ler­nens zwi­schen VR und KI aus.

Und falls ihr wis­sen wollt, wie Flo­ri­an Sochat­zy die Bil­dungs­po­li­tik in Deutsch­land zwi­schen Angst und Eupho­rie ein­ord­net, soll­tet ihr auf jeden Fall dran­blei­ben.

Chris­ti­an Alt und Chris­ti­an Schif­fer – Rei­se ins Land der Ver­schwö­rungs­theo­ri­en

Chris­ti­an Alt und Chris­ti­an Schif­fer – Rei­se ins Land der Ver­schwö­rungs­theo­ri­en

Chris­ti­an Alt & Chris­ti­an Schif­fer – Rei­se ins Land der Ver­schwö­rungs­theo­ri­en

von Edu­Couch

In die­ser Fol­ge unter­hal­ten wir uns mit Chris­ti­an Alt und Chris­ti­an Schif­fer über die Gefahr von Ver­schwö­rungs­theo­ri­en. Die zwei haben ein Buch geschrie­ben mit dem Titel: „Ange­la Mer­kel ist Hit­lers Toch­ter – Im Land der Ver­schwö­rungs­theo­ri­en“.
Im Gespräch geht es um die lus­ti­gen und gru­se­ligs­ten Momen­te wäh­rend ihrer Recher­ché, wir holen uns Tipps ab, wie man am bes­ten mit Ver­schwö­rern und ihren Theo­ri­en umgeht und erfah­ren, wie man eigent­lich ein Buch in Team­ar­beit schreibt.
Und falls ihr wis­sen wollt, war­um es eine sehr dum­me Idee ist, sei­ne eige­ne Ver­schwö­rungs­theo­rie in die Welt zu set­zen, soll­tet ihr die­se Fol­ge auf jeden Fall hören.
Das Inter­view führ­ten dies­mal Ben­ja­min Heinz und Flo­ri­an Lan­ge.

Mari­na Weis­band — Demo­kra­tie ist Arbeit!

Mari­na Weis­band — Demo­kra­tie ist Arbeit!

Zu Gast: Mari­na Weis­band — Demo­kra­tie ist Arbeit

von Edu­Couch | Didac­ta 2018

Mari­na Weis­band

Dies­mal zu Gast auf unse­rem Sofa: Die Poli­ti­ke­rin, Künst­le­rin und Intel­lek­tu­el­le Mari­na Weis­band.

Man darf nicht Kon­su­ment der Gesell­schaft sein, man muss ihr Gestal­ter sein.“ Das ist das Lebens­mot­to von Mari­na Weis­band. Um die­sem Mot­to gerecht zu wer­den, hat Mari­na Weis­band das Pro­jekt „aula“ ins Leben geru­fen. Das ist ein Online-Werk­zeug, das Schü­le­rin­nen und Schü­lern Mit­be­stim­mung im Schul­all­tag ermög­li­chen soll. Sie sol­len nicht nur theo­re­tisch ler­nen, wie demo­kra­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se funk­tio­nie­ren, son­dern auch ihre prak­ti­sche Umset­zung.

Die­se Edu­Couch-Aus­ga­be ist für alle emp­feh­lens­wert, die sich dafür inter­es­sie­ren, wie poli­ti­sche Wil­lens­bil­dung und Demo­kra­tie­er­zie­hung in der Schu­le funk­tio­nie­ren kann. Aber Ach­tung: Demo­kra­tie ist Arbeit!

Digi­ta­les Ler­nen — Mit Schu­len statt über Schu­len spre­chen

Digi­ta­les Ler­nen — Mit Schu­len statt über Schu­len spre­chen

Vie­le Men­schen haben Angst davor, dass die digi­ta­le Rea­li­tät des 21. Jahr­hun­derts auch im bis dato ver­meint­lich geschütz­ten Klas­sen­zim­mer ankom­men könn­te. Sie hal­ten digi­ta­le Gerä­te für Vor­bo­ten see­len­lo­ser Roboter­leh­rer (J. Gross­rath). Ande­re ver­tre­ten vehe­ment die Auf­fas­sung “Bild­schirm­me­di­en machen dick und unauf­merk­sam, sen­ken die Leis­tung in der Schu­le und füh­ren zu mehr Gewalt in der rea­len Welt (M. Spit­zer). Oder man befürch­tet, dass die Umset­zung digi­ta­len Ler­nens im Unter­richt aus tech­ni­schen Grün­den nicht rea­li­sier­bar sei.

Um die­sen Vor­ur­tei­len und Ängs­ten nach­zu­ge­hen sind wir dort­hin gegan­gen, wo die­se Fra­gen täg­lich viru­lent sind: in eine Schu­le.
Die Real­schu­le am Euro­pa­ka­nal in Erlan­gen stellt sich seit 2011 den digi­ta­len Her­aus­for­de­run­gen. Über 200 Schü­ler ler­nen dort mit Tablets. Die Ziel­set­zung des Tablet-Unter­richts beschreibt die Schu­le dabei so: “Wis­sen ist im Inter­net heu­te in viel­fäl­tigs­ter Wei­se vor­han­den. Man muss aber ler­nen, damit umzu­ge­hen, es zu struk­tu­rie­ren, zu ana­ly­sie­ren und zu prä­sen­tie­ren. Um die­se Kul­tur­tech­nik des 21. Jahr­hun­derts anzu­bah­nen, muss die digi­ta­le Lebens­wirk­lich­keit auch in der Schu­le ankom­men. Das iPad bringt den Makro­kos­mos ‘Welt’ in den Mikro­kos­mos ‘Schu­le’! Wir wol­len den mün­di­gen Schü­ler, wir wol­len den Schü­ler, der team­fä­hig ist, der prä­sen­tie­ren kann – immer auf der Basis eines soli­den, nach­hal­ti­gen Grund­wis­sens.” (Home­page der Schu­le)

Wir durf­ten in zwei Dop­pel­stun­den Geschichts­un­ter­richt einer 8. und einer 10. Klas­se hos­pi­tie­ren. Die Stun­den­the­men behan­del­ten ‘Napo­le­on’ sowie die ‘Insti­tu­tio­nen der EU’.

Alle Schü­ler hat­ten in die­sen Unter­richts­stun­den ein iPad vor sich lie­gen. Die not­wen­di­gen Mate­ria­li­en wur­den über einen öffent­li­chen Blog zur Ver­fü­gung gestellt. Die Leh­rer wur­den auf die­se Wei­se zu Mode­ra­to­ren eigen­stän­di­ger Erkennt­nis­pro­zes­se. In der Klas­se wur­de ein mit Apple TV ver­bun­de­ner Bea­mer genutzt. Die Schü­ler konn­ten damit jeder­zeit, vom eige­nen Arbeits­platz aus und tech­nisch voll­kom­men pro­blem­los ihre Ergeb­nis­se vor der Klas­se prä­sen­tie­ren. Die­se Demo­kra­ti­sie­rung der Tafel bzw. des Bea­mers ent­spricht der gesam­ten Phi­lo­so­phie der Schu­le: Die digi­ta­le Tech­nik wird dazu genutzt, effek­tiv und krea­tiv, kol­la­bo­ra­tiv, eigen­ver­ant­wort­lich und komp­tenz­ori­en­tiert zu arbei­ten.

Aber in der Pra­xis funk­tio­niert das alles doch nicht?
Die tech­ni­sche Aus­stat­tung in der Real­schu­le am Euro­pa­ka­nal ist schlank, nahe­zu unsicht­bar und effek­tiv. Die Tablets gehö­ren den Schü­lern und funk­tio­nie­ren laut Aus­sa­gen von Leh­rern und Schü­lern seit vier Jah­ren pro­blem­los. Tech­ni­sche Aus­fäl­le sind sehr sel­ten. Das WLAN ist stark, gut geschützt und intel­li­gent auf­ge­baut (zu die­sem The­ma wird es in Kür­ze hier einen aus­führ­li­chen Bericht geben). Sowohl Leh­rer als auch Schü­ler bestä­tig­ten, dass Zeit­ver­lust durch tech­ni­sche Pro­ble­me eine abso­lu­te Aus­nah­me ist.

Miss­brauch, Mob­bing, Ablen­kung?
Das Netz in der Schu­le ist mit Restrik­tio­nen belegt. Eini­ge Sei­ten sind grund­sätz­lich gesperrt. Zudem wird das Surf-Ver­hal­ten der Schü­ler auf­ge­zeich­net. Die Schü­ler wis­sen das. Sie hal­ten sich an die Nut­zer­ver­ein­ba­run­gen, die sie mit der Schu­le geschlos­sen haben. In den ers­ten vier Jah­ren kam es nur zu einem Fall, der dis­zi­pli­na­risch geahn­det wer­den muss­te. Laut Aus­sa­ge der Leh­rer sind Pro­ble­me in den Nicht-Tablet-Klas­sen ver­brei­te­ter, da dort die Schü­ler deut­lich unkon­trol­lier­ter auf ihren Smart­pho­nes agie­ren.

Bei­spie­le für gelun­ge­nes (digi­ta­les) Ler­nen
Eini­ge weni­ge Unter­richts­bei­spie­le aus den bei­den Dop­pel­stun­den sol­len kurz skiz­ziert wer­den:

  • Erschlie­ßung von Kari­ka­tu­ren über die EU:
    Die Kari­ka­tu­ren fin­den sich im Blog. Mit Hil­fe einer App ver­se­hen die Schü­ler ein­zel­ne Ele­men­te der Kari­ka­tu­ren mit Kom­men­ta­ren, wei­te­ren Gra­fi­ken oder Vide­os. Meh­re­re Grup­pen prä­sen­tie­ren im Anschluss ihre Ergeb­nis­se vor der Klas­se. Die Qua­li­tät der Bei­trä­ge ist erstaun­lich hoch: Kom­ple­xe The­men, wie das der­zei­ti­ge Flücht­lings­dra­ma im Mit­tel­meer, wer­den dif­fe­ren­ziert prä­sen­tiert und in der Klas­se kon­tro­vers dis­ku­tiert.
  • Erar­bei­tung des Kon­zepts asym­me­tri­scher Krieg­füh­rung:
    Die Schü­ler ord­nen Aus­sa­gen über ‘regu­lä­re Trup­pen’ und ‘Gue­ril­la­kämp­fer’ auf einem anspre­chend gestal­te­ten Bild per drag and drop zu. Auf der einen Sei­te sind die Trup­pen Napo­le­ons zu sehen, auf der ande­ren Sei­te por­tu­gie­si­sche Gue­ril­le­ros. Am Ende gibt das Pro­gramm eine Rück­mel­dung über die Rich­tig­keit der Zuord­nung. Im anschlie­ßen­den Unter­richts­ge­spräch wird das Kon­zept gefes­tigt, auf unter­schied­li­che Epo­chen bezo­gen und mit heu­ti­gen Kriegs­tak­ti­ken ver­gli­chen.
  • Erschlie­ßung einer Info­gra­fik aus dem Jahr 1869:
    Die Schü­ler zie­hen per drag and drop Aus­sa­gen über den Russ­land­feld­zug auf die Gra­fik. Dabei schu­len sie ihr metho­di­sches Wis­sen und erschlie­ßen sich eigen­stän­dig grund­sätz­li­che Pro­ble­me und Fehl­schlä­ge des napo­leo­ni­schen Russ­land­feld­zu­ges. Auch hier wer­den die Ergeb­nis­se der jewei­li­gen Grup­pen mit­tels Bea­mer prä­sen­tiert, abge­gli­chen und dis­ku­tiert.
    Ohne die Mög­lich­keit, in die Gra­fik zu zoo­men und sie mit Infor­ma­tio­nen zu ver­se­hen, wäre die Gra­fik nicht sinn­voll im Unter­richt ein­setz­bar.

Fazit:
Es gibt sie, die Schu­len, die nicht von Beden­ken­trä­gern, son­dern von visio­nä­ren Prak­ti­kern geführt wer­den. Es ist mög­lich, Schu­le frei­er und anders zu den­ken. In Erlan­gen führt die­ses neue Den­ken zu deut­lich sicht- und wirk­sa­mer Schul­ent­wick­lung, die Aus­wir­kun­gen auf das gesam­te Schul­le­ben hat: Abschaf­fung des Stun­den-signals, Ein­füh­rung des Dop­pel­stun­den­prin­zips, kon­se­quen­te Nut­zung von Fach­räu­men, Arbeit an der papier­lo­sen Klas­se, Erwei­te­rung des Ange­bots zu fach­lich-metho­di­scher Arbeit, Inten­si­vie­rung und Demo­kra­ti­sie­rung der Unter­richts-kom­mu­ni­ka­ti­on.

Digi­ta­le Tech­nik allei­ne löst kei­ne Pro­ble­me. Digi­ta­le Tech­nik in Kom­bi­na­ti­on mit einem inno­va­ti­ven schu­li­schen Kon­zept, einer (fach-) didak­ti­schen Hin­ter­le­gung und einer päd­ago­gi­schen Beglei­tung hat hin­ge­gen die­ses Poten­ti­al.

Dabei unter­stützt digi­ta­les Ler­nen eben nicht nur für den Erwerb von Medi­en­kom­pe­tenz im All­ge­mei­nen, son­dern auch hoch­wer­ti­ge Lern­pro­zes­se in den jewei­li­gen Fächern.

Schließ­lich soll Mar­kus Böl­ling, der Rek­tor der Real­schu­le am Euro­pa­ka­nal, abschlie­ßend das Wort haben. Er äußert sich zu den The­men Tech­nik, digi­ta­ler Mehr­wert, Sozi­al­ver­träg­lich­keit, Con­tent und poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen: