Phil­ip­pe Wampf­ler – Digi­ta­le Medi­en im Deutsch­un­ter­richt

Phil­ip­pe Wampf­ler – Digi­ta­le Medi­en im Deutsch­un­ter­richt

Phil­ip­pe Wampf­ler – Digi­ta­le Medi­en im Deutsch­un­ter­richt

von Edu­Couch | Digitalität18

Foto: Miguel Kratzer/watson. Heu­te haben wir Phil­ip­pe Wampf­ler zu Gast. Er ist über die Schweiz hin­aus bekann­ter Autor, Blog­ger und Dozent — vor allem aber lei­den­schaft­li­cher Deutsch­leh­rer und Fach­di­dak­ti­ker. Wir reden mit ihm unter ande­rem übers Chat­ten als wich­ti­ge sozia­le Fähig­keit und was man für den Unter­richt dar­aus ler­nen kann, dass wir bei Net­flix stän­dig die Seri­en­in­tros weg­kli­cken.
Und falls ihr wis­sen wollt, wie man durch Com­pu­ter­spie­le Imma­nu­el Kants Kate­go­ri­schen Impe­ra­tiv in den Deutsch­un­ter­richt bringt, soll­tet ihr auf jeden Fall dran­blei­ben.

WLAN in der Schu­le — Ein Erfah­rungs­be­richt mit Mera­ki

WLAN in der Schu­le — Ein Erfah­rungs­be­richt mit Mera­ki

Als eines der Haupt­pro­ble­me der digi­ta­len Schu­le wird immer wie­der die man­gel­haf­te WLAN-Infra­struk­tur ange­führt. Oft­mals heißt es dann, eine gesam­te Schu­le sei so ohne wei­te­res nicht mit WLAN aus­zu­stat­ten. Des Wei­te­ren wird nur all­zu häu­fig auf das Miss­brauchs­po­ten­ti­al eines Schul­netz­werks durch die Schü­ler selbst hin­ge­wie­sen. Seit das mBook Geschich­te als digi­ta­les Schul­buch zu erwer­ben ist, set­zen wir uns noch häu­fi­ger mit dem The­ma aus­ein­an­der.
Des­halb wol­len wir auf die­se bei­den Punk­te im fol­gen­den Erfah­rungs­be­richt aus der Real­schu­le am Euro­pa­ka­nal in Erlan­gen ein­ge­hen. Der Fokus wird dabei vor allem auf die tech­ni­schen Pro­ble­me und Lösun­gen gelegt. Zum Ein­satz von digi­ta­len Medi­en und Tablets an der Real­schu­le am Euro­pa­ka­nal hat Flo­ri­an Sochat­zy schon einen Beitrag[1ver­öf­fent­licht.

WLAN Emp­fang in der gan­zen Schu­le

Die meis­ten Schu­len sind gro­ße Gebäu­de mit meh­re­ren Stock­wer­ken, unzäh­li­gen Wän­den, unter­teilt in Klas­sen­räu­me. Die Ver­sor­gung einer gesam­ten Schu­le mit WLAN erfor­dert daher genaue Pla­nung und ent­spre­chen­de Hard­ware.
In der Real­schu­le am Euro­pa­ka­nal in Erlan­gen hat man sich für eine Hard­ware­lö­sung der Fir­ma Cis­co Mera­ki[2] ent­schie­den.

Das Mera­ki Webi­nar

Jeden Don­ners­tag fin­det um 10 Uhr ein kos­ten­lo­ses Webi­nar von Meraki[3statt. Die­se auf Deutsch gehal­te­ne Ver­an­stal­tung bie­tet einen schnel­len Über­blick über die Funk­tio­nen und Mög­lich­kei­ten des Sys­tems. Zusätz­lich ver­schenkt Mera­ki an jeden Teil­neh­mer einen sei­ner Access Points, den MR18. Ich habe an die­sem Webi­nar teil­ge­nom­men und will hier kurz mei­ne Ein­drü­cke von Mera­ki und des­sen Mög­lich­kei­ten für Muse­en und Schu­len dar­le­gen.

Was bie­tet Mera­ki?

Mera­ki bie­tet ein Kom­plett­sys­tem aus Hard­ware und Soft­ware für Auf­bau und Ver­wal­tung kom­ple­xer Netz­wer­ke. Der Fokus liegt hier­bei vor allem auf einer mög­lichst ein­fa­chen Hand­ha­bung. So lässt sich ein ein­mal ein­ge­rich­te­tes Netz­werk bequem von einer Web-Ober­flä­che, dem Dash­board, bedie­nen und war­ten.

Mera­ki bie­tet drei Kate­go­ri­en von Pro­duk­ten an, aus denen sich das Netz­werk zusam­men­setzt:
- Lay­er-3-Swit­ches: Schnitt­stel­le zwi­schen den ein­zel­nen Gerä­ten des Netz­werks (swit­ching) und dem Inter­net (rou­ting);
- Fire­walls: zen­tra­le Fire­wall (inklu­si­ve eige­ner Hard­ware, nicht zu ver­wech­seln mit Soft­ware-Fire­walls für den eige­nen PC) über die alle Sicher­heits­ein­stel­lun­gen lau­fen;
- Access Points: WLAN-Access-Points, über die das WLAN vor Ort ver­teilt wird.
Auf der Soft­ware-Ebe­ne sieht man als Nut­zer nur das Dash­board, eine glo­bal erreich­ba­re Web­ober­flä­che zum Steu­ern der Gerä­te.

Dash­board

Über die Web­ober­flä­che las­sen sich die bestell­ten Gerä­te schon vor der Lie­fe­rung ein­rich­ten und das gesam­te Netz­werk kon­fi­gu­rie­ren. So vor­be­rei­tet, muss man die ein­zel­nen Gerä­te nur noch auf­bau­en. Sobald sich die Gerä­te zum ers­ten Mal mit dem Inter­net ver­bin­den, wer­den die Kon­fi­gu­ra­tio­nen auto­ma­tisch von Mera­ki her­un­ter­ge­la­den und das Netz­werk ist betriebs­be­reit.

Nach der Erst­ein­rich­tung fun­giert das Dash­board als zen­tra­le Schnitt­stel­le zwi­schen dem Admi­nis­tra­tor und der Hard­ware. Neben der Kon­fi­gu­ra­ti­on aller Gerä­te kann man hier auch mit Hil­fe diver­ser Dia­gno­se-Tools das Netz­werk über­wa­chen und Feh­ler­quel­len fin­den. So lässt sich zum Bei­spiel ein Kabel­test durch­füh­ren, der Dia­gno­se­pa­ke­te durch alle Ports des Gerä­tes sen­det und danach mög­li­che Pro­ble­me auf­lis­tet.
Gera­de für Ein­rich­tun­gen mit meh­re­ren Stand­punk­ten eröff­net sich hier unter ande­rem die Mög­lich­keit einer zen­tra­len Ver­wal­tung der IT, was sowohl Zeit als auch Kos­ten spa­ren kann.

Swit­ches

Mera­ki Switch; Foto: Tobi­as Arendt

Da die Swit­ches vor allem auf tech­ni­scher Ebe­ne wich­tig sind, um gro­ße Daten­men­gen in einem loka­len Netz­werk zu ver­wal­ten und die­ses Netz­werk mit dem Inter­net zu ver­bin­den, will ich mich hier nicht zu lan­ge mit ihnen auf­hal­ten.
Der Lay­er-3-Switch von Mera­ki ist dafür zustän­dig, Daten, die im Netz­werk selbst ver­sen­det wer­den und Daten, die vom Netz­werk aus ins Inter­net gelan­gen zu orga­ni­sie­ren. Der Switch arbei­tet dabei sowohl auf Soft­ware- als auch auf Hard­ware-Ebe­ne an einer best­mög­li­chen Auf­tei­lung der ein­zel­nen Ports und Daten­pa­ke­te. Vie­le der Funk­tio­nen des Swit­ches, vor allem das Prio­ri­sie­ren bestimm­ter Daten oder Diens­te, kann jedoch auch auf Soft­ware-Ebe­ne vom Acce­s­point aus gere­gelt wer­den. Ent­spre­chend wird ein sol­cher Lay­er-3-Switch vor allem in gro­ßen Netz­wer­ken benö­tigt und kann bei klei­nen Pro­jek­ten ver­nach­läs­sigt wer­den.

Access-Points

Mera­ki MR18; Foto von meraki.com

Der wohl wich­tigs­te Teil der Infra­struk­tur sind die Access-Points (APs). Die­se lie­fert Mera­ki in ver­schie­de­nen Grö­ßen für den Innen- oder Außen­be­trieb. Ein Muse­um oder eine Schu­le mit meh­re­ren Gebäu­den und einem Außen­be­reich kann so die gesam­te Grund­flä­che mit WLAN ver­sor­gen. Die Access-Points sind soli­de ver­ar­bei­tet und — wie bei allen Pro­duk­ten von Mera­ki — alle benö­tig­ten Kom­po­nen­ten sind für den sofor­ti­gen Anschluss vor­han­den, inklu­si­ve Schrau­ben und Dübeln für die Wand-Mon­ta­ge. Optisch sind die aus wei­ßem Kunst­stoff bestehen­den Access-Points unauf­fäl­lig. An der Unter­sei­te befin­den sich ein­zel­ne LEDs für die Sta­tus­über­prü­fung. Die leis­tungs­star­ken Anten­nen sind inte­griert und nach Aus­kunft des Mera­ki-Webi­nars kann ein Access-Point bis zu 64 Cli­ents ver­wal­ten. Für eine Schu­le mit durch­schnitt­li­cher Klas­sen­grö­ße reicht also im Zwei­fels­fall ein AP für zwei neben­ein­an­der lie­gen­de Klas­sen­räu­me. In einem Muse­um mit höhe­rem Besu­cher­auf­kom­men kön­nen jedoch auch meh­re­re APs pro Raum ver­wen­det wer­den, die Mera­ki-Soft­ware ver­teilt die Arbeits­last dabei dyna­misch auf die ein­zel­nen Gerä­te.

Traf­fic Sha­ping

Jeder Access-Point ver­fügt über eine Lay­er-7-Traf­fic-Sha­ping-Lösung. Das bedeu­tet, dass jede Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Inter­net auto­ma­tisch ana­ly­siert und kate­go­ri­siert wird. Der AP erkennt also, ob gera­de Sky­pe zum Tele­fo­nie­ren, der Web-Brow­ser für Face­book oder Out­look zum Abru­fen von Emails genutzt wird. Auf Basis der Kate­go­ri­sie­rung und vor­her fest­ge­leg­ter Regeln wird dann die Netz­werk-Aus­las­tung ver­wal­tet. Der AP über­mit­telt den Sky­pe-Anruf also bei­spiels­wei­se mit der höchs­ten Prio­ri­tät und maxi­ma­ler Geschwin­dig­keit, Face­book wird leicht gedros­selt, lädt aber trotz­dem noch flüs­sig, und Out­look ruft im Hin­ter­grund mit stark ver­rin­ger­ter Geschwin­dig­keit die Emails ab.
Die­se Regeln las­sen sich über das Dash­board glo­bal ver­wal­ten, kön­nen jedoch auch für jeden AP spe­zi­ell kon­fi­gu­riert wer­den. Dadurch ist es zum Bei­spiel mög­lich, Sky­pe im gesam­ten Haus zu blo­ckie­ren, jedoch im Kon­fe­renz­raum mit höchs­ter Prio­ri­tät zuzu­las­sen. Muse­en kön­nen dies bei­spiels­wei­se dazu nut­zen, in ein­zel­nen Sta­ti­ons­tex­ten auf (YouTube-)Videos hin­zu­wei­sen. Der die­sen Raum bedie­nen­de AP wird dar­auf­hin so kon­fi­gu­riert, dass (YouTube-)Videos mit erhöh­ter Prio­ri­tät abge­spielt wer­den. In allen ande­ren Räu­men des Muse­ums hin­ge­gen wer­den (YouTube-)Videos blo­ckiert, um die Band­brei­te zu scho­nen.

Dros­seln statt blo­cken

Zwar ist das kate­go­ri­sche Blo­cken von Inhal­ten eine durch­aus prak­ti­sche Funk­ti­on, die vor allem in Muse­en oder ande­ren Ein­rich­tun­gen mit wech­seln­den Benut­zern sinn­voll ist, in einer Schu­le, in der das WLAN täg­lich von den glei­chen Per­so­nen genutzt wird, bie­tet sich jedoch ein ande­rer Ansatz an.
Die Real­schu­le in Erlan­gen hat die Erfah­rung gemacht, dass das Blo­ckie­ren von Inhal­ten dazu anregt, die­se Blo­cka­den zu über­win­den. Bestimm­te Diens­te oder Pro­gram­me, wie zum Bei­spiel ein pri­va­ter Min­e­craft PE[4] Ser­ver wer­den in der Band­brei­ten­zu­wei­sung ein­fach soweit limi­tiert, dass das Spie­len sei­nen Reiz ver­liert.

Im Bild sieht man eine ein­fa­che Rege­lung zum Traf­fic-Sha­ping: Das öffent­li­che Netz­werk hat ins­ge­samt 250kb/s Traf­fic zur Ver­fü­gung, jeder Nut­zer maxi­mal 100kb/s.
Zusätz­lich wird der Traf­fic für Mail-Pro­gram­me (wie Out­look etc.) auf 50kb/s begrenzt, der Datei-Up/Down­load von Drop­box hin­ge­gen darf die vol­len 100kb/s aus­las­ten.

Speed­Burst ist eine von Mera­ki ver­wen­de­te Tech­no­lo­gie, die es ein­zel­nen Nut­zern erlaubt, bei Down­loads die maxi­mal fest­ge­leg­te Geschwin­dig­keit kurz­zei­tig zu über­schrei­ten, soll­ten Netz­werk­res­sour­cen frei sein. Dadurch wird das Netz­werk für den Nut­zer fühl­bar schnel­ler, die Aus­las­tung ver­schiebt sich jedoch nicht zu Guns­ten eines ein­zel­nen Nut­zers.

Man­che Netz­wer­ke erfor­dern jedoch ein kon­kre­tes Blo­ckie­ren ein­zel­ner Diens­te, hier­für bie­tet Mera­ki schon vor­de­fi­nier­te Kate­go­ri­en. Man kann jedoch auch eigen­stän­dig ein­zel­ne Sei­ten oder gan­ze Berei­che sper­ren.

Mul­ti­ple SSIDs

Beson­ders her­vor­zu­he­ben ist die Mög­lich­keit der APs, bis zu 15 SSIDs zu broad­cas­ten. Eine SSID ist dabei der sicht­ba­re Name des WLANs, über den die Benut­zer die­ses fin­den. (z.B. Fritz Box-XXXX oder Tele­kom-XXX wie man es aus sei­nem pri­va­ten Netz­werk kennt) Ver­schie­de­ne SSIDs bedeu­ten hier jedoch auch unter­schied­li­che Netz­wer­ke, mit unter­schied­li­chen Zugriffs­be­rech­ti­gun­gen und unter­schied­li­chen Regeln und Fil­tern.

Es ist also mög­lich, ein Netz­werk mit dem Namen Schule­XY-Intern zu erstel­len, mit dem sich nur bestimm­te Gerä­te ver­bin­den dür­fen. Die­se Rege­lung wird durch einen MAC-Fil­ter[5] rea­li­siert, alle zuge­las­se­nen Gerä­te haben unein­ge­schränk­ten Zugriff auf das Inter­net und eine höhe­re Prio­ri­tät im Netz­werk. Dadurch wird gere­gelt, dass bestimm­te Gerä­te, zum Bei­spiel die der Leh­rer, immer mit maxi­ma­ler Geschwin­dig­keit arbei­ten kön­nen, egal wie aus­ge­las­tet das Netz ansons­ten ist.
Zusätz­lich könn­te man ein Schule­XY-Schue­ler Netz­werk anle­gen, um die Han­dys oder Tablets der Schü­le­rin­nen und Schü­ler mit dem Inter­net zu ver­bin­den. In die­ser Form wäre das Inter­net gefil­tert erreich­bar, um dem Jugend­schutz und ande­ren Vor­schrif­ten zu ent­spre­chen.
Ein drit­tes Netz­werk mit dem Namen Schule­XY-Gast könn­te mit einem Pass­wort gesi­chert wer­den, das Besu­cher der Schu­le erhal­ten kön­nen. In die­sem Netz­werk kann der Daten­strom stark gefil­tert und die Geschwin­dig­keit dyna­misch gedros­selt wer­den, um den Schul­ab­lauf nicht zu unter­bre­chen.
Eine wei­te­re Funk­ti­on wird für Schu­len eher unin­ter­es­sant sein, kann sich jedoch für Muse­en als durch­aus posi­tiv dar­stel­len: Das Muse­um könn­te ein zusätz­li­ches Netz­werk erstel­len, das für Pas­san­ten frei zugäng­lich ist, sobald sie sich mit ihren Face­book-Zugangs­da­ten anmel­den. Mera­ki unter­stützt die­se Funk­ti­on von sich aus, das Muse­um pro­fi­tiert dabei zusätz­lich von den Infor­ma­tio­nen, die sich aus den Face­book-Pro­fi­len der Nut­zer erge­ben. In die­sem öffent­li­chen Netz­werk könn­te der Zugriff auf das Inter­net blo­ckiert und ledig­lich das Infor­ma­ti­ons­por­tal des Muse­ums auf­ruf­bar sein. Nut­zer könn­ten auf die­se Wei­se mit dem Muse­um inter­agie­ren und Inhal­te mit erhöh­ter Daten­men­ge kon­su­mie­ren, ohne ihr per­sön­li­ches Daten­vo­lu­men zu belas­ten.

Data Visua­li­za­ti­on

Wie umfang­reich das Dash­board ist, wird vor allem an der Visua­li­sie­rung der Daten deut­lich. Neben den Dia­gno­se-Tools befin­den sich hier auch jede Men­ge Sta­tis­ti­ken und auf­be­rei­te­te Daten über die Nut­zung des WLANs. Dabei kann einer­seits auf der Gerä­te­e­be­ne die Inten­si­tät der Aus­las­tung fest­ge­stellt wer­den, ande­rer­seits las­sen sich soge­nann­te Heat-Maps erstel­len. (Man kennt die­se inzwi­schen aus Spiel­ana­ly­sen im Fuß­ball.) Anhand derer wird erkenn­bar, an wel­chen Stel­len beson­ders vie­le Per­so­nen das Netz­werk nut­zen. Gera­de Schu­len oder Muse­en damit sehr schnell, wo das Netz­werk noch ver­stärkt wer­den muss.

Fazit

Mera­ki ist für den Auf­bau eines Schul- oder Muse­ums­netz­wer­kes eine gute Opti­on, weil es die spe­zi­fi­schen Inter­es­sen die­ser Nut­zer­grup­pe abdeckt. Hin­zu kom­men etli­che sinn­vol­le Ein­zel­funk­tio­nen, eine ein­fa­che Bedien­bar­keit und der gute Kun­den­ser­vice.


[1] https://institut-fuer-digitales-lernen.de/digitales-lernen-mit-schulen-statt-ueber-schulen-sprechen/

[2] https://meraki.cisco.com/

[3] https://meraki.cisco.com/webinars/signup/1568/einfauhrung-ins-cloud-networking-deutsch/

[4] http://minecraft-de.gamepedia.com/Pocket_Edition

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/MAC-Filter

Digi­ta­les Ler­nen — Mit Schu­len statt über Schu­len spre­chen

Digi­ta­les Ler­nen — Mit Schu­len statt über Schu­len spre­chen

Vie­le Men­schen haben Angst davor, dass die digi­ta­le Rea­li­tät des 21. Jahr­hun­derts auch im bis dato ver­meint­lich geschütz­ten Klas­sen­zim­mer ankom­men könn­te. Sie hal­ten digi­ta­le Gerä­te für Vor­bo­ten see­len­lo­ser Roboter­leh­rer (J. Gross­rath). Ande­re ver­tre­ten vehe­ment die Auf­fas­sung “Bild­schirm­me­di­en machen dick und unauf­merk­sam, sen­ken die Leis­tung in der Schu­le und füh­ren zu mehr Gewalt in der rea­len Welt (M. Spit­zer). Oder man befürch­tet, dass die Umset­zung digi­ta­len Ler­nens im Unter­richt aus tech­ni­schen Grün­den nicht rea­li­sier­bar sei.

Um die­sen Vor­ur­tei­len und Ängs­ten nach­zu­ge­hen sind wir dort­hin gegan­gen, wo die­se Fra­gen täg­lich viru­lent sind: in eine Schu­le.
Die Real­schu­le am Euro­pa­ka­nal in Erlan­gen stellt sich seit 2011 den digi­ta­len Her­aus­for­de­run­gen. Über 200 Schü­ler ler­nen dort mit Tablets. Die Ziel­set­zung des Tablet-Unter­richts beschreibt die Schu­le dabei so: “Wis­sen ist im Inter­net heu­te in viel­fäl­tigs­ter Wei­se vor­han­den. Man muss aber ler­nen, damit umzu­ge­hen, es zu struk­tu­rie­ren, zu ana­ly­sie­ren und zu prä­sen­tie­ren. Um die­se Kul­tur­tech­nik des 21. Jahr­hun­derts anzu­bah­nen, muss die digi­ta­le Lebens­wirk­lich­keit auch in der Schu­le ankom­men. Das iPad bringt den Makro­kos­mos ‘Welt’ in den Mikro­kos­mos ‘Schu­le’! Wir wol­len den mün­di­gen Schü­ler, wir wol­len den Schü­ler, der team­fä­hig ist, der prä­sen­tie­ren kann – immer auf der Basis eines soli­den, nach­hal­ti­gen Grund­wis­sens.” (Home­page der Schu­le)

Wir durf­ten in zwei Dop­pel­stun­den Geschichts­un­ter­richt einer 8. und einer 10. Klas­se hos­pi­tie­ren. Die Stun­den­the­men behan­del­ten ‘Napo­le­on’ sowie die ‘Insti­tu­tio­nen der EU’.

Alle Schü­ler hat­ten in die­sen Unter­richts­stun­den ein iPad vor sich lie­gen. Die not­wen­di­gen Mate­ria­li­en wur­den über einen öffent­li­chen Blog zur Ver­fü­gung gestellt. Die Leh­rer wur­den auf die­se Wei­se zu Mode­ra­to­ren eigen­stän­di­ger Erkennt­nis­pro­zes­se. In der Klas­se wur­de ein mit Apple TV ver­bun­de­ner Bea­mer genutzt. Die Schü­ler konn­ten damit jeder­zeit, vom eige­nen Arbeits­platz aus und tech­nisch voll­kom­men pro­blem­los ihre Ergeb­nis­se vor der Klas­se prä­sen­tie­ren. Die­se Demo­kra­ti­sie­rung der Tafel bzw. des Bea­mers ent­spricht der gesam­ten Phi­lo­so­phie der Schu­le: Die digi­ta­le Tech­nik wird dazu genutzt, effek­tiv und krea­tiv, kol­la­bo­ra­tiv, eigen­ver­ant­wort­lich und komp­tenz­ori­en­tiert zu arbei­ten.

Aber in der Pra­xis funk­tio­niert das alles doch nicht?
Die tech­ni­sche Aus­stat­tung in der Real­schu­le am Euro­pa­ka­nal ist schlank, nahe­zu unsicht­bar und effek­tiv. Die Tablets gehö­ren den Schü­lern und funk­tio­nie­ren laut Aus­sa­gen von Leh­rern und Schü­lern seit vier Jah­ren pro­blem­los. Tech­ni­sche Aus­fäl­le sind sehr sel­ten. Das WLAN ist stark, gut geschützt und intel­li­gent auf­ge­baut (zu die­sem The­ma wird es in Kür­ze hier einen aus­führ­li­chen Bericht geben). Sowohl Leh­rer als auch Schü­ler bestä­tig­ten, dass Zeit­ver­lust durch tech­ni­sche Pro­ble­me eine abso­lu­te Aus­nah­me ist.

Miss­brauch, Mob­bing, Ablen­kung?
Das Netz in der Schu­le ist mit Restrik­tio­nen belegt. Eini­ge Sei­ten sind grund­sätz­lich gesperrt. Zudem wird das Surf-Ver­hal­ten der Schü­ler auf­ge­zeich­net. Die Schü­ler wis­sen das. Sie hal­ten sich an die Nut­zer­ver­ein­ba­run­gen, die sie mit der Schu­le geschlos­sen haben. In den ers­ten vier Jah­ren kam es nur zu einem Fall, der dis­zi­pli­na­risch geahn­det wer­den muss­te. Laut Aus­sa­ge der Leh­rer sind Pro­ble­me in den Nicht-Tablet-Klas­sen ver­brei­te­ter, da dort die Schü­ler deut­lich unkon­trol­lier­ter auf ihren Smart­pho­nes agie­ren.

Bei­spie­le für gelun­ge­nes (digi­ta­les) Ler­nen
Eini­ge weni­ge Unter­richts­bei­spie­le aus den bei­den Dop­pel­stun­den sol­len kurz skiz­ziert wer­den:

  • Erschlie­ßung von Kari­ka­tu­ren über die EU:
    Die Kari­ka­tu­ren fin­den sich im Blog. Mit Hil­fe einer App ver­se­hen die Schü­ler ein­zel­ne Ele­men­te der Kari­ka­tu­ren mit Kom­men­ta­ren, wei­te­ren Gra­fi­ken oder Vide­os. Meh­re­re Grup­pen prä­sen­tie­ren im Anschluss ihre Ergeb­nis­se vor der Klas­se. Die Qua­li­tät der Bei­trä­ge ist erstaun­lich hoch: Kom­ple­xe The­men, wie das der­zei­ti­ge Flücht­lings­dra­ma im Mit­tel­meer, wer­den dif­fe­ren­ziert prä­sen­tiert und in der Klas­se kon­tro­vers dis­ku­tiert.
  • Erar­bei­tung des Kon­zepts asym­me­tri­scher Krieg­füh­rung:
    Die Schü­ler ord­nen Aus­sa­gen über ‘regu­lä­re Trup­pen’ und ‘Gue­ril­la­kämp­fer’ auf einem anspre­chend gestal­te­ten Bild per drag and drop zu. Auf der einen Sei­te sind die Trup­pen Napo­le­ons zu sehen, auf der ande­ren Sei­te por­tu­gie­si­sche Gue­ril­le­ros. Am Ende gibt das Pro­gramm eine Rück­mel­dung über die Rich­tig­keit der Zuord­nung. Im anschlie­ßen­den Unter­richts­ge­spräch wird das Kon­zept gefes­tigt, auf unter­schied­li­che Epo­chen bezo­gen und mit heu­ti­gen Kriegs­tak­ti­ken ver­gli­chen.
  • Erschlie­ßung einer Info­gra­fik aus dem Jahr 1869:
    Die Schü­ler zie­hen per drag and drop Aus­sa­gen über den Russ­land­feld­zug auf die Gra­fik. Dabei schu­len sie ihr metho­di­sches Wis­sen und erschlie­ßen sich eigen­stän­dig grund­sätz­li­che Pro­ble­me und Fehl­schlä­ge des napo­leo­ni­schen Russ­land­feld­zu­ges. Auch hier wer­den die Ergeb­nis­se der jewei­li­gen Grup­pen mit­tels Bea­mer prä­sen­tiert, abge­gli­chen und dis­ku­tiert.
    Ohne die Mög­lich­keit, in die Gra­fik zu zoo­men und sie mit Infor­ma­tio­nen zu ver­se­hen, wäre die Gra­fik nicht sinn­voll im Unter­richt ein­setz­bar.

Fazit:
Es gibt sie, die Schu­len, die nicht von Beden­ken­trä­gern, son­dern von visio­nä­ren Prak­ti­kern geführt wer­den. Es ist mög­lich, Schu­le frei­er und anders zu den­ken. In Erlan­gen führt die­ses neue Den­ken zu deut­lich sicht- und wirk­sa­mer Schul­ent­wick­lung, die Aus­wir­kun­gen auf das gesam­te Schul­le­ben hat: Abschaf­fung des Stun­den-signals, Ein­füh­rung des Dop­pel­stun­den­prin­zips, kon­se­quen­te Nut­zung von Fach­räu­men, Arbeit an der papier­lo­sen Klas­se, Erwei­te­rung des Ange­bots zu fach­lich-metho­di­scher Arbeit, Inten­si­vie­rung und Demo­kra­ti­sie­rung der Unter­richts-kom­mu­ni­ka­ti­on.

Digi­ta­le Tech­nik allei­ne löst kei­ne Pro­ble­me. Digi­ta­le Tech­nik in Kom­bi­na­ti­on mit einem inno­va­ti­ven schu­li­schen Kon­zept, einer (fach-) didak­ti­schen Hin­ter­le­gung und einer päd­ago­gi­schen Beglei­tung hat hin­ge­gen die­ses Poten­ti­al.

Dabei unter­stützt digi­ta­les Ler­nen eben nicht nur für den Erwerb von Medi­en­kom­pe­tenz im All­ge­mei­nen, son­dern auch hoch­wer­ti­ge Lern­pro­zes­se in den jewei­li­gen Fächern.

Schließ­lich soll Mar­kus Böl­ling, der Rek­tor der Real­schu­le am Euro­pa­ka­nal, abschlie­ßend das Wort haben. Er äußert sich zu den The­men Tech­nik, digi­ta­ler Mehr­wert, Sozi­al­ver­träg­lich­keit, Con­tent und poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen: