Frank The­len — “Latein ler­nen ist bru­ta­ler Blöd­sinn”

Frank The­len — “Latein ler­nen ist bru­ta­ler Blöd­sinn”

Das Inter­view führ­te Flo­ri­an Sochat­zy.

Ich freue mich sehr, dass wir heu­te den Unter­neh­mer, Inno­va­tor, Buch­au­tor, Fern­seh­un­ter­hal­ter — wahr­schein­lich habe ich ein paar Din­ge ver­ges­sen — Frank The­len bei uns auf der Edu­Couch haben. Ich möch­te mich mit dir heu­te über Schu­le und Bil­dung der Gegen­wart und Zukunft unter­hal­ten. Wir stei­gen mit einer per­sön­li­chen Fra­ge ein: Bei so einem super-erfolg­rei­chen Typen wie dir müss­te man davon aus­ge­hen, dass du extrem gut in der Schu­le und im Stu­di­um warst und wahr­schein­lich sogar schon in der Früh­erzie­hung und im Kin­der­gar­ten. Ist das kor­rekt?

Nein, das Gegen­teil ist der Fall. Ich war nicht ein­mal im Kin­der­gar­ten gut. Da habe ich nicht am bes­ten Glo­cken­spiel gespielt und in der Schu­le bin ich nur auf das Gym­na­si­um gekom­men, weil ich eine Schwes­ter hat­te, die sehr gut war. Aller­dings bin ich dann von die­sem Gym­na­si­um auf die Real­schu­le her­un­ter­ge­stuft wor­den und habe dort einen mit­tel­mä­ßi­gen Abschluss gemacht. Dann hat sich mein Vater gefragt: Was wird aus dem Jun­gen? Er hat dann gese­hen, dass eine neue Schu­le auf­ge­macht wur­de in Bonn, im Hei­mat­dorf sozu­sa­gen, und hat mich dann auf eine Schu­le für Com­pu­ter­an­ge­le­gen­hei­ten gebracht. Da habe ich es dann eini­ger­ma­ßen geschafft. Zwi­schen­durch habe ich dann noch ein Stu­di­um abge­bro­chen.

Was hät­te man denn damals anders machen müs­sen mit dem klei­nen Frank, dass er schon Spaß und Erfolg in der Schu­le gehabt hät­te und viel­leicht heu­te noch erfolg­rei­cher wäre? Oder ist tat­säch­lich der Miss­erfolg in der Schu­le auch Teil dei­nes heu­ti­gen Erfolgs?

Nein, ich glau­be das ist Blöd­sinn. Ich glau­be, dass, wenn ich eine gute Aus­bil­dung und Spaß dabei gehabt hät­te, hät­ten die Sachen noch deut­lich bes­ser lau­fen kön­nen. Und dass ich das alles so geschafft habe, hat­te ich einer Men­ge Glück zu ver­dan­ken. Es wäre toll gewe­sen, wenn ich weni­ger Glück hät­te haben müs­sen und mehr Kön­nen gehabt hät­te.

Was hät­te man anders machen müs­sen? Man muss mich begeis­tern. Man muss zum Bei­spiel sagen: „Wir bau­en in die­sem Schul­jahr ein Flug­zeug.“ Um ein Flug­zeug bau­en zu kön­nen, muss man ver­ste­hen, war­um und wie es fliegt. Man muss die Mathe­ma­tik und die Phy­sik dahin­ter ver­ste­hen. Die Leu­te abho­len mit ihrer Begeis­te­rungs­fä­hig­keit und auch erklä­ren, dass da etwas her­aus­kommt, was man da baut. Oder man star­tet ein Pro­jekt und sagt: „Wir bau­en ein Thea­ter und füh­ren danach das Stück auf.“ Ich glau­be an die­ses Machen und Umset­zen. Nicht nur die­sen Fron­tal­un­ter­richt mit: „Holt jetzt die Bücher raus. Sei­te 23. Habt ihr das alle zu Hau­se aus­wen­dig gelernt?“ Das hat mich ein­fach ver­lo­ren.

Frank Thelen auf der EduCouch - Foto: Benjamin Heinz

Frank The­len: “Man muss die Leu­te abho­len mit ihrer Begeis­te­rungs­fä­hig­keit und auch erklä­ren, dass da etwas her­aus­kommt, was man da baut.” — Foto: Ben­ja­min Heinz

Das heißt, wir müss­ten die intrinsi­sche Moti­va­ti­on mit­tels ganz kon­kre­ter Pro­ble­me und Pro­jek­te in die Schu­le brin­gen? Ist das das Plä­doy­er dafür?

Ja, zu 100 Pro­zent. Das ist, glau­be ich, das, wozu ich den gan­zen Kram ler­ne. Was ist das Ziel, mich als Kind ein­fach da hin­zu­set­zen und zu sagen „Du lernst das jetzt ohne Wis­sen wozu“? Da habe ich dicht gemacht.

Das rote Latein­buch habe ich gele­sen, um es jetzt zu erwäh­nen.

Genau, das rote Latein­buch, das kennt ihr alle. Das ist der Ham­mer. Du sitzt dann da und sagst: „Sum, es, est, sum­mus, estis, sunt“, und kei­ner wird jemals wie­der die­se Spra­che spre­chen. Das ist schon bru­ta­ler Blöd­sinn.

Wel­che Rol­le spielt Ler­nen heu­te für dich und wie lernst du heu­te?

Ich lese teil­wei­se Bücher. Ich spre­che mit intel­li­gen­ten Köp­fen über The­men. Ich gucke mir TED-Talks an. Ich höre Pod­casts. An allen mög­li­chen Stel­len ver­su­che ich neue The­men auf­zu­grei­fen und von deut­lich bes­se­ren Leu­ten zu ler­nen.

Das wäre dann the­menge­lei­tet und nicht medi­en­ge­lei­tet? Also nur Pod­casts oder nur Zei­tun­gen.

Ja, genau. Ich kom­me eher von den The­men. Wenn du zum Bei­spiel im Auto sitzt, kannst du halt nicht lesen. Wann hat man auch die Muse und sagt zum Bei­spiel „Jetzt sit­ze ich hier mit einem Glas Rot­wein und möch­te gern ein Buch lesen“? Oder „Jetzt fah­re ich von A nach B und des­we­gen kann ich nur etwas anhö­ren.“ — Dann hört man eher einen Pod­cast oder ein Audio­book.

Das wäre so eine Art Medi­en­kom­pe­tenz. Was glaubst du, dass die Men­schen in der Zukunft oder für die Zukunft ler­nen müss­ten? Wel­che Arten von Kom­pe­ten­zen wer­den sie brau­chen?

Die Men­schen müs­sen breit aus­ge­bil­det wer­den. Das heißt, sie müs­sen mög­lichst viel erlebt haben. Also natür­lich auch eine Grund­aus­bil­dung, die wir auch schon haben. Mathe­ma­tik, Phy­sik, Che­mie, Geschich­te, aber kei­ne Exper­ten, son­dern das The­ma ein­mal grob ver­ste­hen. Aller­dings fehlt uns Wirt­schaft. Was ist ein Ver­trag? Wie funk­tio­niert eine Fir­ma? Uns fehlt Soft­ware­ent­wick­lung. Ich will nicht alle zu Soft­ware­ex­per­ten machen. Das wäre tota­ler Blöd­sinn. Aber ich habe auch ein Grund­maß an Geschichts­bil­dung, obwohl das sehr schlecht ist, weil ich in der Schu­le nicht gut war. Die guten Schü­ler haben eine gute Idee von der Geschich­te. Genau­so, wie von Che­mie oder Bio­lo­gie und das ist genau das, was ich auch für Soft­ware­ent­wick­lung will: Dass jeder eine Grund­idee davon hat, was eigent­lich die­ser Code ist. Das kann man in weni­gen Wochen eini­ger­ma­ßen begrei­fen und es wird dein Leben ver­än­dern, wenn du weißt, wie es funk­tio­niert. Du siehst auch dein Leben ver­än­dert, wenn du ein­mal Poli­tik gehabt hast und dann weißt: Es gibt eine Regie­rung und die wird gewählt und so wei­ter.

Die guten Schü­ler haben eine gute Idee von der Geschich­te. Genau­so, wie von Che­mie oder Bio­lo­gie und das ist genau das, was ich auch für Soft­ware­ent­wick­lung will: Dass jeder eine Grund­idee davon hat, was eigent­lich die­ser Code ist.” — Frank The­len

Die­ses Grund­ver­ständ­nis von Wirt­schaft, even­tu­ell von Recht, von dei­nem Kör­per — Was, glau­be ich, auch noch nicht genug vor­kommt. Ernäh­rung, zum Bei­spiel, ist total krass. Die Leu­te haben so wenig Ahnung von Ernäh­rung und von Soft­ware­ent­wick­lung. Ich hät­te gern, dass Schu­le noch brei­ter wird und nicht mehr so in die Tie­fe geht, weil wir gar nicht wis­sen, was wir in Zukunft brau­chen. Selbst ob man über­haupt noch pro­gram­mie­ren soll­te, ist eine gro­ße Fra­ge. Kann das eine künst­li­che Intel­li­genz nicht viel­leicht bes­ser? Das Ein­zi­ge, was uns als Men­schen aus­macht, ist unse­re Intui­ti­on, unse­re Fähig­keit Geschich­ten zu erzäh­len, dass wir hier sind, wer wir sind, dass wir posi­ti­ve Ener­gie haben. Mehr als Gesamt­heit des Men­schen, als die­ses: Das ist der Exper­te für Mathe­ma­tik. Des­we­gen ist es so wich­tig, dass wir breit auf­ge­stellt sind und für das Leben gerüs­tet sind.

Wie ist es denn mit spe­zi­fi­schen Digi­tal­the­men? Ich kon­stru­ie­re mal einen Fall: Sol­len wir uns nicht in der Schu­le auch mit zum Bei­spiel digi­ta­ler Öffent­lich­keit und wie sie funk­tio­niert beschäf­ti­gen? Bei­spiels­wei­se kommt ein Come­di­an und macht sich über irgend­wel­che Soci­al Media Posts lus­tig. Ist ein­fach mal kon­stru­iert. Soll­ten wir da in der Schu­le auch schon ler­nen, mit sol­chen Din­gen umzu­ge­hen, mit sol­chen Öffent­lich­keits­me­cha­nis­men im Digi­ta­len? Und wie könn­te man so etwas tun?

Medi­en­kom­pe­tenz ist total wich­tig, weil teil­wei­se die jun­gen Leu­te gar nicht ver­ste­hen, dass, wenn sie etwas auf Face­book etwas pos­ten, das die Welt sehen kann. Die­se Medi­en­kom­pe­tenz auf­zu­bau­en, ist extrem wich­tig. Es gibt zum Bei­spiel Vere­na Paus­der, die dort sehr viel macht. Das ist extrem wich­tig: Medi­en­kom­pe­tenz. Denn die Leu­te haben gar kei­ne Ahnung, was da eigent­lich pas­siert.

Das ist jetzt viel­leicht zu krass, aber man hat ja auch Sexu­al­kun­de­un­ter­richt. Wenn du mit einer Frau unge­schützt Geschlechts­ver­kehr hast, dann kann etwas dabei pas­sie­ren. Das fin­de ich auch gut, dass die das ler­nen. Das haben wir, glau­be ich, auch alle ein­ge­se­hen. Des­we­gen gibt es das ja. Genau­so muss man aber auch erklä­ren, was eigent­lich pas­siert, wenn du bei Insta­gram den Sen­den-But­ton drückst oder wie das eigent­lich funk­tio­niert? Was ist eigent­lich ein Influ­en­cer? Ich glau­be, das ist wich­ti­ger als Latein-Unter­richt. Da sagen man­che „Ja, Frank, du Idi­ot. Du machst die Kul­tur kaputt“, aber wir haben ja schon Deutsch, Eng­lisch und Fran­zö­sisch oder Spa­nisch. Damit haben wir Spra­chen schon abge­deckt. Ich fin­de es gut, wenn Leu­te Alt­grie­chisch oder Latein ler­nen, aber am Ende des Tages ist es eine Fra­ge der Res­sour­ce. Die Res­sour­ce heißt Zeit, Schul­zeit und in die­ser Zeit wür­de ich lie­ber so etwas noch unter­brin­gen und dafür ande­re Fächer her­un­ter­fah­ren, damit die Kin­der mög­lichst breit auf­ge­stellt sind. Mir ist es sehr wich­tig, das zu sagen, weil man­che den­ken, ich will aus jeder Schu­le eine Pro­gram­mier­schu­le machen. Tota­ler Blöd­sinn. Ich will, dass die Schu­le brei­ter auf­ge­stellt ist und dass die Kin­der für die unge­wis­se Zukunft vor­be­rei­tet sind.

Ich höre da auch ein biss­chen her­aus: Es ist eine Schu­le, in der viel Musik, Raus­ge­hen, Lau­fen im Wald und so wei­ter vor­kommt und mit den digi­ta­len Mög­lich­kei­ten schaf­fe ich mir die Frei­räu­me, das zu tun?

Total. Ich glau­be total an die Natur, an Sport, an Rei­sen, Aus­flü­ge, weil man da lernt, wie es ist, als sozia­ler Hau­fen durch die Gegend zu lau­fen. Der eine hat beim Früh­stück alles auf­ge­ges­sen, sodass nichts übrig blieb: Was machen wir jetzt? Das sind die­se nor­ma­len, mensch­li­chen Pro­ble­me und die muss man in der Schu­le ler­nen. Ich ver­lan­ge jetzt sehr viel von der Schu­le. Das ist gera­de mein Traum­bild, was ich hier zeich­ne, aber das ist mir alles viel wich­ti­ger als der Latein­un­ter­richt.

Frank Thelen auf der EduCouch - Foto: Benjamin Heinz

Frank The­len: “Du sitzt dann da und sagst: „Sum, es, est, sum­mus, estis, sunt“, und kei­ner wird jemals wie­der die­se Spra­che spre­chen. Das ist schon bru­ta­ler Blöd­sinn.” — Foto: Ben­ja­min Heinz

Ich wer­de mal etwas grund­sätz­li­cher. Wel­che Tech­no­lo­gi­en wer­den in der nächs­ten Zeit die Welt — und damit auch die Schu­le — ver­än­dern, obwohl Schu­le ein über­aus lang­sa­mes Kon­strukt ist? Wor­auf müs­sen wir unse­ren Blick rich­ten?

Ich habe das im Bau­kas­ten der Zukunft in mei­nem Buch auf­ge­führt, weil mir das so wich­tig ist. Die wich­tigs­te Sache ist: Künst­li­che Intel­li­genz. Der Com­pu­ter wird intel­li­gent wer­den. Das ist sehr schwer zu ver­ste­hen, was da pas­siert und wie lan­ge das dau­ert. Das ver­su­che ich dort zu beschrei­ben. Außer­dem: Robo­ter. Robo­ter sind heut­zu­ta­ge noch Kin­der­ge­burts­tag. Wir haben viel­leicht einen staub­saugen­den Robo­ter, aber zum Bei­spiel Bos­ton Dyna­mics hat erst heu­te wie­der ein Video ver­öf­fent­licht und das ist unfass­bar, in wel­che Rich­tung das Gan­ze läuft. Das heißt, künst­li­che Intel­li­genz in Kom­bi­na­ti­on mit Robo­tern und 5G, sodass sie immer ver­netzt sind und es sehr, sehr güns­tig wird, sich zuver­läs­sig zu ver­net­zen. Das wird unser Leben so radi­kal ver­än­dern, wie es lei­der oder glück­li­cher­wei­se die Mensch­heit noch nie erlebt hat. Selbst der Zwei­te Welt­krieg hat­te auf die Mensch­heit nicht so einen gro­ßen Ein­fluss. Danach kommt noch der Quan­ten­com­pu­ter, mit dem wir neue Mate­ria­li­en ent­wi­ckeln wer­den und so wei­ter. Das ist ein rie­sen Bau­kas­ten, der dann zusam­men­kommt und plötz­lich hat man flie­gen­de Autos, aber eben auch vie­le ande­re Din­ge, die nicht so gut sind.

Aber was wür­de das für Schu­le bedeu­ten? Wer­de ich dann von dem intel­li­gen­ten Com­pu­ter unter­rich­tet?

Das kann ich dir lei­der nicht sagen. Es kann sein, dass das ein intel­li­gen­ter Com­pu­ter ist. Ich glau­be, wir brau­chen mehr inter­ak­ti­ve Lern­ma­te­ria­li­en in den Schu­len, weil nicht jeder Leh­rer kann auf allen Gebie­ten exzel­lent sein. Manch­mal ist es viel­leicht bes­ser, wenn man eine hoch­wer­ti­ge Aus­stat­tung hat und mit gro­ßem Dis­play und gutem Sound Din­ge gemacht wer­den oder — noch bes­ser — inter­ak­ti­ves Lern­ma­te­ri­al zur Ver­fü­gung stellt, in dem die Kin­der aktiv über VR oder Ähn­li­ches ein­grei­fen kön­nen. Es darf nicht der Dau­er­zu­stand sein, dass wir unse­re Kin­der in etwas ste­cken, in dem es kei­ne mensch­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on gibt. Das wäre eine Kata­stro­phe, aber in der Woche jeden Tag eine Stun­de zu sagen: Da gehen wir an die­se Sys­te­me her­an und ler­nen, wie der mensch­li­che Kör­per funk­tio­niert in einer bes­se­ren Art und Wei­se, als es ein Leh­rer mir jetzt hier zei­gen kann. Es ist immer die Mischung und ich glau­be, ihr merkt, ich will die Per­sön­lich­keit breit aus­bil­den, weil die Zukunft so unge­wiss ist.

Ich kann jetzt nicht wie frü­her sagen: „Mache Mathe­ma­tik. Die wer­den gesucht.“ Oder: „Phy­si­ker ist etwas für die nächs­ten Jah­re.“ Das gab es ja so. Das war wirk­lich abseh­bar. Es tut mir leid, aber das wird es so nicht mehr geben. Ich kann dir kei­nen Beruf nen­nen, den es in den nächs­ten 100 Jah­ren noch gibt. — Außer viel­leicht Geschich­ten­er­zäh­ler. Ich glau­be Geschich­ten­er­zäh­ler wer­den blei­ben, weil das der Com­pu­ter nicht kann. Ich weiß, auch das kann die künst­li­che Intel­li­genz, aber ich glau­be, da wird der Com­pu­ter noch blei­ben. Aber es gibt so weni­ge Din­ge, bei denen ich dir sagen kann, was in Zukunft unser Leben bestimmt.

Mei­ne letz­te Fra­ge wäre bezüg­lich eines Stich­worts, das du bereits gege­ben hast: VR. Ich per­sön­lich glau­be, dass VR einen sehr hohen Impact auf die Mensch­heit haben wird, weil es so vie­le die­ser Mensch­heits­träu­me von Zeit­rei­se bis wo auch immer hin, mög­lich machen wird und dass Leu­te auch sehr viel Zeit in VR ver­brin­gen wer­den. Wo siehst du da die Poten­zia­le und Risi­ken für Bil­dung in so einer Tech­no­lo­gie oder glaubst du, dass VR nicht so durch­star­ten wird?

Ich muss sagen, da bin ich unsi­cher. Dass die Block­chain kommt und Daten, die dort vor­han­den sind, gespei­chert wer­den, dass die künst­li­che Intel­li­genz kommt, dass Robo­ter kom­men usw. — Da bin ich mir 100 Pro­zent sicher, dass alles so kom­men wird. VR kann ich dir nicht sagen. Es ist heut­zu­ta­ge noch komisch eine VR-Bril­le auf­zu­set­zen und davon Kopf­schmer­zen zu bekom­men. Da ist die Fra­ge, krie­gen wir die Tech­nik so gut und seam­less hin, dass ich wirk­lich ver­ges­se, dass ich die­se Bril­le gera­de tra­ge und ein­fach zwei Stun­den durch ein Opern­haus lau­fen oder in die Stein­zeit gehen und sie erle­ben kann? Das glau­be ich schon. Wahr­schein­lich wird das so sein.

Über­le­ge mal: Da erlebt zum Bei­spiel ein Kind die Stein­zeit und je nach dem, wie weit sie die­ses Sys­tem ent­wi­ckeln, kön­nen die sogar mit Stein­zeit­men­schen inter­agie­ren. Ich mei­ne, mit so einem Kind willst du eher über die Stein­zeit spre­chen als mit jeman­dem, der nur platt Bücher gele­sen hat, weil er wirk­lich etwas dar­über erzäh­len kann. Du hast die 100 teu­ers­ten Exper­ten aus die­sem Bereich, die sich in einem Team zusam­men­fü­gen, wel­ches viel Geld hat, um genau ein­mal die­sen Con­tent so zu bau­en. Das wird mil­lio­nen­fach aus­ge­spielt und ist dadurch eine sehr, sehr hohe Inves­ti­ti­on. Im Grun­de genom­men ja ähn­lich, wie heut­zu­ta­ge ein Hol­ly­wood-Block­bus­ter, ein James Bond Film oder so etwas. Der ist ja des­halb so toll, weil da ein­fach ein unend­lich gro­ßes Bud­get vor­han­den war. Wenn wir das in die Bil­dung krie­gen, wäre das der Ham­mer. Von daher glau­be ich das schon. Gera­de im Bil­dungs­be­reich ist das ein guter Punkt: Ich habe mich ein­mal gefragt, wo der gro­ße Durch­bruch beim VR ist, außer beim The­len imi­tiert ein Pieps­ge­räusch. Der Bereich ist sehr groß. Da machen wir alle drei Aus­ru­fe­zei­chen dran. — Jetzt zur Fra­ge Bil­dung: Bil­dung ist gut, weil da kön­nen wir auf ein­mal in sehr kur­zer Zeit, sehr kom­pe­ten­te, sehr inten­si­ve, sehr immer­si­ve Bil­dung her­ein­brin­gen.

Mei­ne letz­te Fra­ge auf der Edu­Couch ist immer eine Nicht-Fra­ge, und zwar die Auf­for­de­rung: Was wäre dir denn noch wich­tig auf die­ser Couch zu sagen zum Groß­the­ma Bil­dung? Gibt es eine Mes­sa­ge, die du noch nicht los­ge­wor­den bist und die du ger­ne noch los­wer­den wür­dest?

Ihr müsst euch trau­en die­ses The­ma auf­zu­bre­chen. Das Leben ver­än­dert sich so stark und schnell. Ihr habt die Ver­ant­wor­tung für die Kin­der, dass es ein­fach nicht in Ord­nung ist heu­te noch Latein- und Fron­tal­un­ter­richt zu machen. Ich weiß, es fehlt oft­mals das Geld. Akti­viert die Eltern. Es gibt gute För­der­mög­lich­kei­ten auch vom Staat, die oft­mals nicht abge­ru­fen wer­den. Lie­ber Rek­to­ren, lie­be Leh­rer: Ihr seid so wich­tig für die­se Welt, weil ihr die Zukunft bil­det. Traut euch mehr zu und wenn ein Expe­ri­ment mal schief geht, dann ist das so, aber ver­sucht den­noch die Schu­le aktiv und pro­gres­siv neu zu gestal­ten.

Eva Wolfan­gel – “Rea­li­tät bleibt Rea­li­tät, egal ob sie vir­tu­ell oder mate­ri­al ist”

Eva Wolfan­gel – “Rea­li­tät bleibt Rea­li­tät, egal ob sie vir­tu­ell oder mate­ri­al ist”

Eva Wolfan­gel – “Rea­li­tät bleibt Rea­li­tät, egal ob sie vir­tu­ell oder mate­ri­al ist”

von Edu­Couch

Heu­te spre­chen wir mit der Wis­sen­schafts­jour­na­lis­tin Eva Wolfan­gel, die vor kur­zem von der „Asso­cia­ti­on of Bri­tish Sci­ence Wri­ters“ als „European Sci­ence Wri­ter of the Year“ aus­ge­zeich­net wur­de.

Wir spre­chen mit Eva Wolfan­gel über unse­ren Weg hin zu einer digi­ta­li­sier­ten Gesell­schaft, in der neben tech­ni­schen Neue­run­gen der dazu­ge­hö­ri­ge men­ta­le Pro­zess noch ansteht. Für die Wis­sen­schafts­jour­na­lis­tin sind dabei vor allem „Inno­va­tio­nen im Den­ken“ nötig.

Ein The­ma, mit dem sich Eva Wolfan­gel beson­ders inten­siv beschäf­tigt, ist Vir­tu­al Rea­li­ty. Dabei wagt sie sich mit viel Opti­mis­mus in die­se neue Welt vor und sieht deut­lich mehr Chan­cen als Pro­ble­me.
Wenn ihr erfah­ren wollt, was alles in der Vir­tu­el­len Rea­li­tät mög­lich ist und ob die soge­nann­te „Ger­man Angst“ den VR-Trend stop­pen kann, soll­tet ihr auf jeden Fall dran­blei­ben.

Das Ende der stei­ner­nen Lern­fa­brik? – Mani­fest einer Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät

Das Ende der stei­ner­nen Lern­fa­brik? – Mani­fest einer Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät

ver­fasst von Johan­nes Gra­pen­tin, Flo­ri­an Sochat­zy und Mar­cus Ventz­ke

Wozu haben wir heu­te noch Schu­len? Und wel­che Funk­ti­on geben wir ihnen? Zuneh­mend erschei­nen Schu­len in der Gegen­wart wie die alter­tüm­li­chen und welt­frem­den Ein­rich­tun­gen einer ande­ren Epo­che — nach skur­ri­len Regeln geführt und ohne wirk­li­chen Bezug zum Leben der Gegen­wart. Die öffent­li­chen Schu­len der Gegen­wart sind Bau­wer­ke, daher an bestimm­ten Orten loka­li­siert und Teil einer regio­na­len und über­re­gio­na­len Ver­wal­tung. Sie sind zudem nicht sel­ten per­so­nell unter­be­setzt und bau­lich maro­de. Gegen Bil­dungs­un­ge­rech­tig­keit sind sie schein­bar macht­los und der Kern ihrer Tätig­keit scheint immer noch oft das Aus­wen­dig­ler­nen leb­lo­ser Infor­ma­ti­ons­par­ti­kel zu sein.

Die­se zeit­li­chen, räum­li­chen, orga­ni­sa­to­ri­schen, per­so­nel­len und nicht zuletzt inhalt­lich-didak­ti­schen Struk­tu­ren des gegen­wär­ti­gen Bil­dungs­sys­tems sind für moder­ne Bil­dungs­zie­le über­wie­gend unge­eig­net, da sie immer noch dar­auf zie­len, dass alle Ler­ner in vor­ge­ge­be­nen Zeit­ein­hei­ten das­sel­be ler­nen und nach ein­heit­li­chen Maß­stä­ben beur­teilt wer­den. Noch immer prägt nicht das Begrei­fen, Erfah­ren, Ver­ste­hen und Abs­tra­hie­ren die Lern­bio­gra­fie der Schü­le­rIn­nen, son­dern das Memo­rie­ren eines bestehen­den Fak­ten- und Wis­sens­ka­nons.

Am Über­gang zur digi­ta­li­sier­ten Welt steht unse­re Gesell­schaft jedoch vor völ­lig anders­ar­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen, und folg­lich muss auch Bil­dung unter ver­än­der­ten Vor­zei­chen gedacht wer­den.

Wir benö­ti­gen

  • lebens­na­he, auf die Her­aus­for­de­rungs­fel­der der Gegen­wart und Zukunft bezo­ge­ne Lern­ge­gen­stän­de,
  • indi­vi­du­el­le Lern­we­ge, die zu fle­xi­blen, inter­es­sens-, sach- und lern­stands­be­zo­ge­nen Grup­pen­bil­dun­gen füh­ren
  • pro­blem­lö­sungs­ori­en­tier­te Lern­sze­na­ri­en, die bis­he­ri­ge Erar­bei­t­uns- und Ver­ar­bei­tungs­kon­ven­tio­nen über­schrei­ten,
  • eine umfas­sen­de, the­men- und medi­en­ba­sier­te Per­sön­lich­keits­bil­dung, die es ermög­licht, sozia­le Kom­pe­tenz, ästhe­ti­sches Bewusst­sein und emo­tio­na­les Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl aus­zu­prä­gen.

Wenn in der Gegen­wart Bil­dung als die wich­tigs­te Res­sour­ce für die Ent­wick­lung eines moder­nen Gemein­we­sens beschrie­ben wird, so ist damit die best­mög­li­che indi­vi­du­el­le Ent­fal­tung mensch­li­cher Poten­tia­le gemeint; nicht mehr aber die Imple­men­tie­rung und Abruf­bar­keit mög­lichst ähn­li­cher oder gar glei­cher Fer­tig­kei­ten bestimm­ter Grup­pen.

Moder­ne Bil­dung rich­tet sich auf

  • die Ent­wick­lung von Krea­ti­vi­tät und Hand­lungs­fä­hig­keit in unbe­kann­ten Situa­tio­nen,
  • Mög­lich­kei­ten per­sön­li­cher For­mung, Ver­wirk­li­chung und ‘Neu­erfin­dung’ in einer sich stän­dig ver­än­dern­den Welt.

Moder­ne Bil­dung erfor­dert daher die Ent­wick­lung von varia­blen Pro­blem­lö­sungs­kom­pe­ten­zen mög­lichst vie­ler Ler­ner, die sich als ver­netz­te Krea­ti­ve ver­ste­hen und sie för­dert des­halb die Fähig­keit jedes Ein­zel­nen,

  • sich von Vor­find­li­chem distan­zie­ren,
  • es kri­tisch ana­ly­sie­ren,
  • bekann­te Hand­lungs­mus­ter und Wis­sens­be­stän­de neu grup­pie­ren und
  • Fehl­stel­len durch Neu­schöp­fun­gen aus­fül­len zu kön­nen.

Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät (VR-School) als poten­ti­el­ler 

Bil­dungs­er­neue­rer

Die tech­ni­sche Ent­wick­lung im Bereich der vir­tu­el­len Rea­li­tät (VR) ist bereits heu­te so weit gedie­hen, dass immer­si­ve Räu­me und Set­tings mög­lich sind. Fal­len­de Anschaf­fungs­kos­ten für Hard­ware-Aus­stat­tun­gen und eine ste­tig wach­sen­de Aus­wahl an ver­füg­ba­ren VR-Erfah­rungs­wel­ten sto­ßen der­zeit die Tür zu einem Mas­sen­markt für vir­tu­el­le Rea­li­tät weit auf. Aug­men­ted und Vir­tu­al Rea­li­ty ver­las­sen damit die Sphä­re wis­sen­schaft­li­cher Test­la­bo­re und media­ler Modell­pro­jek­te. Sie wer­den in Kür­ze zur All­tags­kul­tur gehö­ren. Folg­lich erhebt sich die Fra­ge, inwie­weit VR auch ele­men­ta­rer Bestand­teil von Bil­dungs­vor­gän­gen wer­den kann . Auf Grund­la­ge der rasan­ten tech­ni­schen Ent­wick­lung las­sen sich nun Lern­räu­me den­ken und umset­zen, die zunächst schul­er­gän­zend und in einem nächs­ten Schritt schul­er­set­zend sein könn­ten. Die gro­ßen Tech-Unter­neh­men arbei­ten wohl an Mög­lich­kei­ten, den Bil­dungs­markt mit Hil­fe der AR/VR-Tech­nik umzu­wäl­zen – und das glo­bal. Kom­plet­te VR-Schu­len, die von Tech-Unter­neh­men bedürf­nis­ge­recht ent­wi­ckelt und betrie­ben wer­den, sind längst kei­ne Uto­pie mehr. Aus die­sem Grund ist es heu­te zwin­gend erfor­der­lich, sich auf eine der­ar­ti­ge Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät auf theo­re­ti­scher Ebe­ne, aber auch auf Grund­la­ge prak­tisch-empi­ri­scher Erfah­run­gen, vor­zu­be­rei­ten.

Das Insti­tut für digi­ta­les Ler­nen hat zu die­sem Zweck eine Toch­ter­fir­ma, die Digi­ta­le Lern­wel­ten GmbH (DLW) gegrün­det, um sich die­ser Auf­ga­be zu ver­schrei­ben. Im fol­gen­den fin­den sich die theo­re­ti­schen Grund­la­gen einer der­ar­ti­gen Schu­le, eine Kon­zep­ti­on für eine prak­ti­sche Umset­zung ist bereits in Arbeit.

Die im Insti­tut für digi­ta­les Ler­nen unter dem Pro­jekt­ti­tel “We Are School” ent­wi­ckel­te Schu­le in vir­tu­el­le Rea­li­tät soll die Basis unter­schied­li­cher Lern­räu­me sein, die, unab­hän­gig von mate­ri­ell-räum­li­chen Gege­ben­hei­ten, ein Erkennt­nis­um­feld für Ler­nen­de und Lehr­um­feld für Unter­rich­ten­de bereit­stellt.

Alle fol­gen­den For­de­run­gen müs­sen sich jeder­zeit einer theo­re­ti­schen, empi­ri­schen und prak­ti­schen Hin­ter­fra­gung jeder­zeit stel­len.

  1. Die Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät basiert lern­theo­re­tisch auf dem Kon­struk­ti­vis­mus und möch­te die Inter­de­pen­den­zen von äuße­ren Rah­men­be­din­gun­gen und inne­ren Gestal­tungs­pro­zes­sen von Schu­le und Ler­nen in der digi­ta­len Welt neu bestim­men. Sie bie­tet die Mög­lich­keit zur Nut­zung digi­ta­len Mehr­werts wie auch zur Ent­wick­lung digi­ta­len Neu­werts.
  2. Ler­nen wird ver­stan­den als inklu­si­ve Suche nach Lösun­gen. Der Zugriff auf Infor­ma­tio­nen ist dabei eine not­wen­di­ge Bedin­gung unter­richt­li­cher Arbeit, nicht ihr Ziel.
  3. Die 21-cen­tu­ry-skills (Krea­ti­vi­tät, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kol­la­bo­ra­ti­on und kri­ti­sches Den­ken) bil­den den päd­ago­gisch-didak­ti­sche Rah­men bei der Ent­wick­lung von Erfah­rungs-, Ana­ly­se-, Anwen­dungs- und Refle­xi­ons­be­rei­chen der Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät. Die­sem Rah­men wer­den fach­di­dak­ti­sche Kom­pe­tenz­mo­del­le und The­men­auf­be­rei­tun­gen hin­zu­ge­fügt.
  4. Lern-, Arbeits- und Erfah­rungs­räu­me wer­den völ­lig neu kon­zi­piert. Erkennt­nis­se aus Archi­tek­tur­psy­cho­lo­gie, päd­ago­gi­scher Raum­for­schung, inter­na­tio­na­ler Schul­bau­for­schung, etc. die­nen als Grund­la­ge für eine Neu­kon­struk­ti­on und -bewer­tung des schu­li­schen Lebens- und Arbeits­raums und kön­nen damit erst­ma­lig kon­se­quent umge­setzt wer­den.
  5. Didak­ti­sche Reduk­ti­on der fach­li­chen The­men führt nicht zu einem qua­li­ta­ti­ven Ver­lust in der Art, dass Lern­ge­gen­stän­de von den sie tra­gen­den Ide­en und Kon­zep­ten iso­liert wer­den. Media­le Prä­sen­ta­tio­nen ermög­li­chen gene­ti­sches Ver­ste­hen. Aus­wahl­ent­schei­dun­gen und Vor­ge­hens­wei­sen wer­den trans­pa­rent gemacht.
  6. Die auf Spra­che und gedruck­ten Text ver­ein­sei­tig­ten media­len Dar­stel­lungs­wei­sen des Papier­druck­zeit­al­ters wer­den diver­si­fi­ziert. Die oft­mals unzu­rei­chen­den The­men- und Pro­blem­re­prä­sen­ta­tio­nen der ana­lo­gen Medi­en­welt wer­den in Erfah­rungs­sze­na­ri­en auf­ge­löst, die dem mensch­li­chen Wahr­neh­mungs- und Ver­ar­bei­tungs­ver­mö­gen ent­spre­chen: Zustän­de und Pro­zes­se blei­ben auch in media­len Reprä­sen­ta­tio­nen Zustän­de und Pro­zes­se, wer­den also als Ver­har­rung und Bewe­gung dar­ge­stellt. Abs­trak­ti­ons­be­ding­te Kom­ple­xi­täts­ver­dich­tun­gen wer­den also besei­tigt, wenn sie ver­ste­hens­ver­hin­dern­de Bar­rie­ren dar­stel­len.
  7. In den Erfah­rungs­wel­ten der Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät wer­den mensch­li­ches Han­deln und gesell­schaft­li­che Struk­tu­ren nicht grund­sätz­lich text­lich kodiert. Sie wer­den medi­al “huma­ni­siert” bzw. “rehu­ma­ni­siert”, da Men­schen in beweg­li­chen, dich­ten Bil­dern und Situa­tio­nen den­ken.
  8. Ver­tief­te und erwei­ter­te digi­ta­le Ana­ly­se­mög­lich­kei­ten wer­den zur metho­di­schen Arbeit in den Fächern genutzt.
  9. Dif­fe­ren­zie­rung wird zum Stan­dard: wie in einem Open-World-Adven­ture füh­ren unter­schied­li­che Wege zu unter­schied­li­chen Vari­an­ten, Schwer­punk­ten und Lern­ge­gen­stän­den.
  10. Indi­vi­dua­li­sie­rung ist ein Grund­prin­zip der Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät. Das meint zum einen den indi­vi­du­el­len Zugang zu Erfah­rungs- und Arbeits­be­rei­chen. Dazu gehört die jeder­zei­ti­ge Spei­che­rung und Ver­füg­bar­ma­chung eige­ner Erfah­run­gen, Vor­ge­hens­wei­sen, Arbeits­er­geb­nis­se. Zum ande­ren bedeu­tet Indi­vi­dua­li­sie­rung die dia­gno­se­ba­sier­te Gestal­tung indi­vi­du­el­ler Lern­we­ge und Lern­stands­prü­fun­gen. Indi­vi­dua­li­sier­bar sind aber auch die Bedin­gungs­fel­der des Ler­nens: bau­li­che Aus­stat­tungs­si­mu­la­tio­nen, Raum­dar­stel­lun­gen, Licht­ver­hält­nis­se, Weg­füh­run­gen etc.
  11. Eine tech­nik­ge­stütz­te Dia­gno­se indi­vi­du­el­ler Lern­vor­aus­set­zun­gen, -eigen­ar­ten und -ergeb­nis­se ist die Grund­la­ge zur Ent­wick­lung indi­vi­du­el­ler Lern­sze­na­ri­en.
  12. Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät lebt von der Betei­li­gung ihrer Nut­zer – Par­ti­zi­pa­ti­on der Leh­ren­den und Ler­nen­den bei der Gestal­tung der Lern­räu­me ist ele­men­ta­rer Bestand­teil die­ser Schu­le, weil damit Eigen­ver­ant­wor­tung geför­dert und Wirk­sam­keits­er­fah­rung ermög­licht wer­den.
  13. Leh­ren­de und Ler­nen­de haben jeder­zeit Sou­ve­rä­ni­tät über ihr Agie­ren inner­halb der VR-Erfah­rungs- und Arbeits­räu­me.
  14. Die Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät ist eine sozia­le Schu­le. Die Leh­ren­den haben die Mög­lich­keit ihr beruf­li­ches Selbst­ver­ständ­nis zu wan­deln, sich von Wis­sens­ver­mitt­lern zu Lern­be­glei­tern zu ent­wi­ckeln. Sie ver­ste­hen sich als Exper­ten (fach­lich), Mode­ra­to­ren (didak­tisch), Men­to­ren (sozi­al) und Wei­ter­ler­nen­de (indi­vi­du­ell). Leh­ren­de wer­den von der im digi­ta­len Zeit­al­ter irri­gen Fik­ti­on befreit, wonach sie über The­men und ihre Medi­en exklu­siv ver­fü­gen, sie ver­tei­len und zugäng­lich machen. Ler­nen­de sind in der Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät (Mit-)Gestalter der The­men und Arbeits­auf­ga­ben, ihrer Sozi­al­be­zie­hun­gen und ihres raum-zeit­li­chen Umfelds. Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät wird per­ma­nent kon­struk­tiv hin­ter­fragt und wei­ter­ent­wi­ckelt. Neue fach­li­che Erkennt­nis­se wer­den als Updates imple­men­tiert .

Die Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät ermög­licht also die hoch­dif­fe­ren­zier­te und indi­vi­dua­li­sier­te För­de­rung in neu­en Raum-Zeit-Ver­hält­nis­sen, auf indi­vi­du­el­len Lern­we­gen, unter Ent­wick­lung von Kom­pe­ten­zen, auf dem Weg zu “intel­li­gen­tem Wis­sen”.

Die Grund­la­ge der Kon­zep­ti­on und Umset­zung von Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät ist nicht ein unre­flek­tier­ter Tech-Hype, son­dern die Not­wen­dig­keit von Ver­än­de­rung auf der Basis ver­tief­ter Erkennt­nis­se. Dabei müs­sen Fra­gen aus unter­schied­li­chen Dis­zi­pli­nen bedacht und erforscht wer­den. Eini­ge davon fin­den sich auf die­ser Gra­fik:

Das Insti­tut für digi­ta­les Ler­nen wird sich die­sen Fra­gen stel­len und gemein­sam mit Part­nern aus Poli­tik, Wirt­schaft und Wis­sen­schaft Schu­le in vir­tu­el­ler Rea­li­tät kon­zi­pie­ren und erfor­schen. Wir freu­en uns auf Input und kon­struk­ti­ver Kri­tik aus der Com­mu­ni­ty